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Visionen 2025

Mein Austauschjahr 2025

Mein Austauschjahr 2025 in Michendorf – ein Austauschschüler berichtet; unsere Vision von Michendorf im Jahr 2025
Der erste Eindruck nach meiner Ankunft auf dem Michendorfer Bahnhof war sehr positiv; ein gepflegter, mit Liebe hergerichteter kleiner Bahnhof, mit einem schönen kleinen Imbiss im Eingangsbereich (wo es übrigens den besten Kaffee to go gibt), einem gut besuchten Restaurant, einem Dienstleistungszentrum und einer hübschen Pension, mit bezahlbarer Übernachtungsmöglichkeit. Ich kannte Michendorf nicht und habe mich natürlich vorher im Internet erkundigt. Übrigens eine tolle einladende Internetpräsenz hat die Gemeinde. Ich wusste, dass es nicht weit nach Potsdam und Berlin sein wird und so dachte ich, damit wird es vielleicht nicht ganz so langweilig, wie es auf dem Dorf üblicherweise sein wird.

Während es mich zunächst reizte vor den Toren von Berlin und Potsdam untergebracht zu sein, war dies bald gar nicht wichtig. In Michendorf ließ es sich gut leben, denn die Michendorfer wissen, wie gefeiert wird! Es war immer etwas los. Da gab es das Sommerfest, das Höfefest, Tanz in den Mai, Osterfeuer, Fastnacht, Public Viewing und besonders das große Oktoberfest auf der Festwiese; stets unterstützt oder perfekt abgesichert durch die Feuerwehren der Ortsteile. Da ich zuhause auch Feuerwehrkamerad bin, sind mir sofort die gute Ausstattung der Wehren und die hohe Motivation der Kameraden aufgefallen. Hier wird die Arbeit der Feuerwehr geschätzt und honoriert (z. B. gibt es ein Ausbildungskonzept und eine Vereinbarung mit dem Landkreis, um die Tageseinsatzbereitschaft sicher zu stellen).
Ein absolutes Highlight war der Nikolauslauf, es kamen tausende Menschen im Nikolauskostüm aus ganz Deutschland nach Michendorf. Es spielten Bands auf der Bühne und entlang der Potsdamer Straße gab es Stände mit allerlei tollen Sachen. Ein richtiges Volksfest im Advent. Schön fand ich auch die tolle Weihnachtsbeleuchtung in den Ortsteilen und die schön geschmückte Weihnachtstanne sowie den gemütlichen und familiären Weihnachtsmarkt.
Die Michendorfer sind wirklich sportbegeisterte Menschen, denn im Sommer gab es auch schon das Run&Bike (und schon zum 8. Mal). Eine tolle Erfindung für Groß und Klein, die alle Ortsteile miteinander verbindet und zeigt, wie schön Michendorf ist. Ganze Familien aus der Umgebung waren unterwegs. Und auch die Senioren der Gemeinde waren bei den Festen dabei. Ganz besonders hat mir der eigens dafür organisierte Shuttle-Bus begeistert, denn dadurch konnten Jung und Alt aus allen Ortsteilen an den Feiern teilnehmen. Abends gab es ein großes Fest auf dem Festplatz der Gemeinde. Die Organisation und Durchführung erfolgt durch viele ehrenamtliche Michendorfer.

Ein großer Teil der Michendorfer ist in den vielen verschiedenen Vereinen organisiert. Michendorf hat ein gut organisiertes Vereinsleben, es gibt fast alles. Hier gibt es viel Engagement und ehrenamtliche Tätigkeit. Und wenn es Probleme gibt, genügt ein Anruf bei der Koordinatorin in der Gemeindeverwaltung und schon gibt es eine gute und verlässliche Lösung. Es ist sogar gelungen, die vielen zugezogenen Michendorfer von dem guten Vereinsleben zu überzeugen. Michendorf ist keine typische Randgemeinde. Nein, hier ist richtig was los, hier schläft niemand! Geh mal ins Familienzentrum, da ist immer was los. So viele wechselnde Angebote. Das ist schon faszinierend. Diese (ehrenamtliche) Arbeit wird von der Verwaltung geschätzt und uneingeschränkt unterstützt.

Die Jugend der Ortsteile trifft sich meist „An der Umgehungsbahn“. Dort hat die Gemeinde mit ganz einfachen Dingen und ohne großen Aufwand einen schönen Platz geschaffen, an dem sich die Kids einfach mal treffen können und niemanden stören. Aber es gibt auch regelmäßig Disco im Club, auch schon für die Jüngeren. Das ist toll, denn diese Discos organisieren die Kids selbst. Für die Kids und die Jugend wurde in den letzten Jahren viel getan, wurde mir gesagt. Das war wohl nicht immer so. Noch vor ein paar Jahren war es nicht einmal möglich, sich am Wochenende aus den Ortseilen wegzubewegen. Das ist jetzt ganz einfach, denn dafür gibt es das Jugendtaxi und den Rufbus. Gerade am Wochenende und nachts ist es jetzt kein Problem mehr von Berlin oder Potsdam nach Hause zu kommen. Noch vor ein paar Jahren musste man auf den ersten Frühbus warten oder man ist lieber zu Hause geblieben.
Am Tage kann man sich auf das Fahrrad schwingen. Es gibt ein komplett ausgebautes Radwegenetz, jeder Ortsteil ist gut erreichbar und alle sind miteinander vernetzt. Sogar durch den Wald kann man in Michendorf fahren. Da hat die Gemeinde in den letzten Jahren viel getan. An zentralen Plätzen gibt es ausreichend Fahrradabstellplätze, manchmal sogar überdacht. Und alle Michendorfer, die kein Fahrrad fahren, können innerhalb der Ortsteile mit dem stark vergünstigten Michendorf-Ticket den Bus benutzen. Das finde ich eine tolle Maßnahme, um die Michendorfer in ihren Ortsteilen zu verbinden (gerade auch für ältere MitbewohnerIn).

Die Kinder meiner Gasteltern haben es richtig gut hier, denn sie haben keinen weiten Schulweg, der Schulcampus in Michendorf ist wunderbar durchdacht und alles ist neu (hat bestimmt viel Geld gekostet). Tolle Medienausstattung in den Schulen, da merkt man sofort, hier gibt es ein richtiges Konzept für die Schulen. Hut ab! Aber jeder weiß ja, in die Bildung zu investieren zahlt sich aus. Im letzten Jahr wurde durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark sogar eine neue Gesamtschule in Michendorf gebaut. Ich durfte bei der Einweihung dabei sein.
Und richtig gut finde ich, dass alle Kinder in den Einrichtungen in Michendorf richtig gut und gesund bekocht werden. Die „Großküche“ im ehemaligen Hotel sucht übrigens immer Studenten zum Ausliefern an die Kitas und Pflegeheime und das betreute Wohnen. Auch der Seniorentreff bei den von der GEWOG neu gebauten altersgerechten Wohnhäusern wird mit beliefert. Eine tolle Sache!
Der Rest des alten Hotels wird gerade zum Studentenwohnheim ausgebaut. Bis vor ein paar Monaten waren hier noch Flüchtlinge untergebracht. Ich war positiv überrascht, wie das Zusammenleben funktionierte. Es gab eine gute Integration, daran hat die Gemeinde aber auch von Anfang gearbeitet. So gab es eine Teilhabe am Leben der Michendorfer. Viele Michendorfer Vereine und Organisationen wie die AG FiM (Arbeitsgruppe Flüchtlinge in Michendorf) haben sich da eingebracht. Die Michendorfer sind eben warmherzige Menschen, das habe ich gleich gemerkt.

Abends saß ich gerne mit Freunden in der kleinen Kneipe am alten Teltomatgelände, um noch ein gutes Bier zu trinken und der Livemusik zu lauschen. Das ist ein richtig schönes Areal und zentral gelegen. Abends merkt man gar nichts mehr von dem Trubel des Tages.

Hier sind auch die Gemeindeverwaltung, ein paar kleine Läden, die große Drogerie und das Ärztehaus. Wer hier wohnt, hat sich ein schönes Plätzchen ausgesucht. Das nächste größere Einkaufszentrum ist gleich in der Luckenwalder Straße. Dort gibt es sogar eine Packstation von DHL. Das ist sehr praktisch. Dadurch wird der Verkehr aus der Potsdamer Straße etwas verlagert. Aber auch in Wilhelmshorst hat sich ein schönes kleines Zentrum entwickelt. Wenn das große neue Wohngebiet in Wilhelmshorst mal fertig ist, wird sich dort bestimmt noch mehr entwickeln. Schön finde ich, dass die Gemeinde streng darauf achtet, dass der Waldcharakter trotz der Bautätigkeit erhalten bleibt. Mit den Finanzen einer Gemeinde kenne ich mich leider nicht so aus, aber ich weiß, dass es der Gemeinde gut geht, die Pro-Kopf-Verschuldung ist in den letzten Jahren gesunken und Investitionen konnten ohne neue Kreditaufnahme umgesetzt werden (und die Steuern wurden für die Michendorfer wohl auch nicht erhöht). Das ist schon eine gute Leistung für eine Gemeinde. Aber die Michendorfer sind auch clever, denn sie haben in der Verwaltung einen Koordinator, der überall schaut, wo es Fördermittel zu beantragen gibt und gleicht das mit den Bedürfnissen der Gemeinde ab. Investitionen gibt es ja jede Menge, aber immer mit Augenmaß! Es sind wohl einige neue Wohngebiete in den letzten Jahren entstanden. Klar, jeder will sein eigenes Haus bauen. Aber in Michendorf geschieht das sorgfältig. Hier habe ich nicht das Gefühl, dass irgendetwas „aus den Nähten platzt“. Aber das liegt wahrscheinlich auch an der guten Zugzugskonzeption, so entsteht ein moderates Wachstum für die Gesamtgemeinde. Und die Investoren beteiligen sich auch an bestimmten Ausgaben, da gibt es so eine Art Investitions-Abgabenkonzept. Was ja auch nur vernünftig ist.

Was man in Michendorf aber nicht findet, ist produzierendes Gewerbe. Für eine Gemeindekasse wäre das natürlich immer gut, aber in Michendorf hat sich in den letzten Jahren auch verschiedenes, neues Gewerbe angesiedelt. Die Bedingungen für Gewerbetreibende sind in Michendorf optimal, es hat sich in den letzten Jahren eine gute Wirtschaftsfreundlichkeit etabliert. Gewerbetreibende liegen der Verwaltung am Herzen, es gibt eine extra Gewerbesprechstunde, Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Standort (sowohl auf gemeindeeigenen als auch auf privaten Grundstücken) und nun gibt es auch eine gute und schnelle Internetverbindung in allen Ortsteilen (gleich ein Tipp: in den Gemeindezentren gibt es sogar offenes W-LAN!). Aber auch Landwirtschaft prägt die Gemeinde - Gott sei Dank - noch. Und ich hoffe, dass dies noch lange so bleiben kann. Ein Magnet für die Menschen aus der Umgebung, insbesondere aus Potsdam ist der lokale Wochenmarkt mit den regionalen Produkten. Das ist wichtig für unser Klima und die Insektenvielfalt. Aber darum kümmert sich ja die Klimawerkstatt, in der auch die Politiker Verantwortung übernehmen und mit je einem Fraktionsmitglied mitarbeiten. So wurde in den letzten Jahren ein neues, sinnvolles Beleuchtungskonzept erarbeitet und mit Klimaschutzmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden begonnen.

Mit den Nachbargemeinden gibt es auch eine gute Zusammenarbeit, im Tourismusbereich gibt es sogar einen Zweckverband mit Seddin und Caputh. Das ist auch wichtig, gerade auch, um den Seddiner See zu schützen. Meine Gastfamilie hat mir viele schöne Plätze in Michendorf und Umgebung gezeigt. Ich bin nicht unbedingt der Wandertyp, aber die Spaziergänge und Wanderungen an den Wochenenden waren sehr schön. Eine so schöne grüne Landschaft, blühende Felder, viel Wald und Seen, das hatte ich so nicht vermutet. Und an schönen Aussichtspunkten gab es immer schöne neue Bänke zum Ausruhen und Verweilen. Sogar Rastplätze und „Picknick-Häuser“ hat die Gemeinde gebaut. Gut gefallen hat mir auch der neue Fitness-Parcours, der durch alle Ortsteile führt und für alle Altersgruppen geeignet ist. Im Sommer war ich oft am Lienewitzsee. Da hat die Gemeinde eine schöne Schutzhütte und Toiletten gebaut. Wunderschön ist es dort. Innerhalb der Ortsteile gibt es aber auch viele schöne Grün- und Parkanlagen mit Bänken (gerade für die älteren SpaziergängerInnen), man muss gar nicht weit laufen. Alte Alleebäume wurden immer durch Neupflanzungen ersetzt, die schönen Rabatte an den Hauptstraßen werden durch Paten bepflanzt und die Ortsbeiräte loben jedes Jahr einen Wettbewerb aus. Also alles schön grün und sauber!
Meine Gasteltern hatten dank des innovativen Stromnetzes sogar eine eigne Ladestation für ihr E-Auto und für die Pendler die am Michendorfer Bahnhof geparkt haben, standen ebenfalls ausreichend Ladestationen und sogar Schnelllademöglichkeiten zur Verfügung. Mich hat sehr beeindruckt, dass die Gemeinde einen Teil Ihres Stromverbrauches durch hocheffiziente Photovoltaik-Anlagen deckt und somit eine Vorbildrolle für viele andere Gemeinden im Landkreis darstellte.

Für mein Projekt in politischer Bildung habe ich ein Praktikum in der Gemeindeverwaltung absolviert. Ich war überrascht, wie gut ausgebildet und motiviert die Beschäftigten waren. Für die Bewältigung und Anpassung neuer Aufgaben mit dem vorhandenen Personal ist eine bedarfsgerechte Fortbildung auch unerlässlich. So wie das z. B. das neu geschaffene Gemeindemarketing, um Michendorf in der Außenwelt gut zu präsentieren. Die Digitalisierung hat auch hier in Michendorf Einzug gehalten. So können die Bürger viele Sachen auch online erledigen. Und die Gemeindevertreter absolvieren ihre Sitzungen vor Laptops mit W-LAN. Dank dem guten Vorlagenmanagement kann eine Menge Papier eingespart werden. An zwei Sitzungen der Gemeindevertretung durfte ich auch teilnehmen. Das war neu für mich. So spät abends noch so schwierige Themen zu diskutieren ist schon nicht so einfach. Aber es ging immer um die Sache, die Themen wurden konstruktiv diskutiert, es gab immer einen respektvollen Umgang miteinander, ja fast schon harmonisch. Hier habe ich ganz deutlich gespürt, dass es allen um das WIR ging, um die Gemeinde. Und gut fand ich auch, dass die Ortsbeiräte ganz stark mit einbezogen wurden.

Ja, ich könnte noch jede Menge schreiben, aber das Wichtigste sind die Michendorfer selbst! Ich habe hier ein hohes Maß an Solidarität und Miteinander kennengelernt, Menschen, die füreinander einstehen, an einem Strang ziehen und gemeinsam gerne in ihrer Gemeinde leben. Hier haben Kinder, Eltern und Großeltern eine schöne Heimat. Anne-Katrin Buchwaldt und Claudia Nowka

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