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Journal

Die Bienen sind wieder unterwegs

Die Sonne scheint und in den Gärten grünt und blüht es - überall brummt und summt es. Die Bienen sind wieder unterwegs und sammeln Nektar. Ein guter Anlass, bei den kleinen Tierchen einmal hinter die Kulissen zu schauen. Wer wäre zum Lüften des Vorhangs da besser geeignet als ein Imker? Davon gibt es erfreulicherweise einige in unserer Gemeinde. Wir haben uns mit Dr. Marko Hünniger getroffen, Ingenieur für technischen Umweltschutz, Michendorfer, Freund des Bündnisses für Michendorf und Hobbyimker. Er hat sich für uns Zeit genommen und beantwortet uns ein paar Fragen rund um das Thema Bienen und deren Schutz. Wir treffen uns an einem Tag, der eher ungeeignet für die Bienenbeobachtung ist, es regnet. Also setzen wir uns erst bei einer Tasse Kaffee zusammen und reden über die kleinen Flieger. Zum Glück hört es am Ende unseres Gesprächs auf, so dass wir uns die Bienen und ihre Beuten auch noch ganz genau ansehen können.

Gleich am Anfang eine wichtige Frage an einen Imker im Frühling: Haben alle Völker den milden Winter überlebt?
Ich habe 7 Völker, es haben alle überlebt. Grundlegend für eine erfolgreiche Überwinterung ist die Vorbereitung. Diese beginnt bereits

im Herbst. Hier fängt auch das Bienenjahr an. Jedes Volk bekommt von mir bis zu ca. 28 kg Zuckerlösung als Nahrung, da die eigentliche Nahrung der Bienen - der Honig – Ihnen von mir weggenommen wurde. Der Laie glaubt, dass ein milder Winter hilfreich ist. Dem ist jedoch nicht so. Ein milder Winter ist besonders schwierig. Die Bienen gehen dann nicht in den sogenannten Brutstopp, d.h. die Königin legt weiter Eier, die vom Volk versorgt werden. Dadurch verliert der Bien (das jeweilige Volk) Energie. Bei einem Ableger musste ich nachfüttern. (Ein Ableger ist ein kleines neues Volk, das sich selbst eine Königin aufgebaut hat.) Man darf sich das Überleben eines Volkes auch nicht vorstellen, indem jede einzelne Biene überlebt. Die Winterbienen haben nach der Königin, die 3 -5 Jahre lebt, die längste Lebenserwartung. Sie werden ca. 6 Monate alt, im Gegensatz zu den weiblichen Sommerbienen, die nur ca. 1 Monat leben und den Drohnen, den männlichen Bienen, die ca. 5 Wochen leben. Am Ende des Winters haben die meisten davon natürlich ihr Lebensalter erreicht. Entscheidend beim Überleben des Volkes, das wie EIN Lebewesen funktioniert, ist natürlich immer der Bien an sich, nicht das Individuum.

Warum bist du Imker geworden?
Eigentlich aus Neugier und weil ich einen sehr Technik lastigen Beruf habe. Ich brauchte den Ausgleich, den ich mit der Imkerei gefunden habe. Bevor ich jedoch selbst loslegen konnte, habe ich mir ungefähr ein Jahr das notwendige Wissen angelesen, mich informiert und ich habe auch einen Imkerkurs besucht. Für alle, die sich für die Imkerei interessieren, kann ich das nur dringend empfehlen. Einfach loslegen - so einfach ist das nicht. Ansonsten ist das Imkern ein tolles Hobby. Der zeitliche Aufwand ist gut einzuschätzen. Ich wende pro Jahr ca. 5 – 8 h je Volk an Zeit auf. Dazu kommt natürlich noch die Ernte und Bearbeitung des Honigs.
Außerdem sollte man wissen, dass Urlaub in den Monaten Mai bis Juli nicht geht. In dieser Zeit muss man die Bienen wöchentlich kontrollieren. Hier besteht die Gefahr, dass die Bienen schwärmen gehen, wenn man nicht aufpasst und eine weitere Königin im Stock heranwächst.
Welche Bienen hältst du und warum?
Also grundsätzlich habe ich die ertragreiche und sanftmütige Bienenart Carnica. Da ich aber nicht wissen kann, von welchen Drohnen meine Königinnen begattet werden, nenne ich sie die Wildenbrucher Landbiene. Sie sind eine Mischung aus der Biodiversität ihres Flugumfeldes. Außerdem habe ich noch einige Mauerbienen. Sie sind Wildbienen und haben sich in meinem Insektenhotel angesiedelt.
Wie wirken sich die immer trockeneren Jahre auf das Futterangebot aus?
Gar nicht gut. Die Bienen brauchen den Regen im April. Wenn es zu wenig Niederschlag gibt, wie in diesem Jahr, bilden die Pflanzen weniger Nektar und auch eine zu frühe Blüte ist ungünstig, da die Völker sich im Frühjahr erst wieder aufbauen müssen. Schwierig sind auch sehr trockene Sommer, wie in den letzten beiden Jahren.
Wie entsteht eigentlich der Honig?
Die Bienen sammeln den Nektar, dabei wird er bereits mit Enzymen angereichert. Im Bienenstock wird er dann von den Bienen weiterbearbeitet und in den Honigwaben eingelagert. Wenn der Reifegrad erreicht ist, verdeckeln die Bienen die Waben mit Wachs.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist der Wassergehalt im Honig. Ein niedriger Wassergehalt zeugt von einer hohen Qualität. Ob ein Honig flüssig, cremig oder fest wird, hängt in erster Linie von der Honigart ab. Linde bleibt beispielsweise überwiegend flüssig.
Wenn einem der Honig zu fest ist, kann man ihn bei einer Temperatur von unter 30 Grad (zum Erhalt der Inhaltstoffe) vorsichtig erwärmen. Dann wird er wieder cremig und bleibt es auch.
Die Imkerei ist dein Hobby, wie viele Völker bräuchte man, um davon leben zu können?
Das kann ich nicht genau sagen. Man kann aber davon ausgehen, dass unter Einberechnung aller Gerätschaften und Arbeitszeit ab ca. 30 Völkern ein bisschen Gewinn übrig bleibt.

In unserer Nachbargemeinde Beelitz gibt es einen Blühstreifen e.V. Was hältst du von Blühstreifen in unserer Gemeinde an den Ackerflächen?
Blühstreifen sind eine wichtige Nahrungsergänzung für alle Insekten. Man sollte jedoch darauf achten, welche Blumen gesät werden. Eine große Unterstützung ist die Zeit in der normalerweise die Massentrachten vorbei sind. Ab August wird es sehr schwierig für alle nektarsammelnden Insekten. In Wildenbruch wird demnächst eine Blühwiese mit Unterstützung der Gemeinde Michendorf entstehen.
Grundsätzlich wäre es schön, wenn die Gartenbesitzer bei ihrer Gartengestaltung darauf achten würden, welche Pflanzen bienenfreundlich sind. Hier kann man in Büchern dazu nachlesen oder einfach im Pflanzenhandel seines Vertrauens sich beraten lassen.
Welche Erfahrungen hast du mit dem Spritzen der Äcker in unserer Gemeinde? Beeinflusst das die Qualität des Honigs oder die Gesundheit der Bienen?
Ich persönlich habe mit Landwirten weniger Erfahrung. Es gibt aber ein großes Spannungsfeld zwischen Landwirten und Imkern. Die Landwirte sind an möglichst hohen Erträgen interessiert. Das ist durchaus verständlich. Wichtig für den Imker wäre jedoch, dass der Landwirt nicht am Tage spritzt und idealerweise die Imker seines Umfeldes informiert, wann gespritzt wird. Vorstellbar wäre hier vielleicht eine Plattform zum Austausch an Informationen. Ich selbst gehe auf meine Nachbarn zu und versuche sie zum Thema Spritzen von Pflanzen zu sensibilisieren. Die Gifte, die gespritzt werden, können in verschiedener Hinsicht wirken. Im „Idealfall“ stirbt die Biene vor Ort. Im schlechteren Fall trägt sie das Gift in den Stock, wo weitere Bienen damit in Kontakt kommen oder auch die Kontaktgifte in den Honig gelangen.
Was ist der Unterschied zwischen Wildbienen und den Honigbienen?
Die Honigbiene ist ein Nutztier. Sie wird vom Menschen gehalten, wird genutzt und ist ohne unsere Hilfe allein nicht lebensfähig. Sie existiert nur im Schwarm. Der Imker muss die Bienen auch vor Schädlingen, wie der Varroamilbe oder der Amerikanischen Faulbrut schützen. Die Wildbiene ist ein Sammelbegriff und wird genutzt um alle Bienenarten außer der Honigbiene zu bezeichnen. Diese Bienen benötigen natürlich nicht unsere Fürsorge. Unseren Schutz verdient sie jedoch auch.

Was können wir selbst zum Schutz der Bienen unternehmen?
Wie schon gesagt, wir können auf einem bienenfreundlichen Anbau im Garten achten. Es ist gut auf sog. Trachtlücken zu achten, auf Blüten im Juli bis August, eine aktive Gartengestaltung. Insekten benötigen kleine versteckte Ecken in unseren Gärten für ihren Unterschlupf. Ein Baumstamm der durchbohrt werden kann, oder ein Haufen aus Schnittgut. Dieser kann ja versteckt hinter einer schönen Staude oder Busch sein. Wichtig wäre auch Wasserstellen für die Bienen anzubieten, in denen sie nicht ertrinken und gut Wasser aufnehmen können. Gerade am Anfang des Jahres benötigen die Bienen viel Wasser.
Was kann der Imker machen?
Fort- und Weiterbildungen sowie Austausch mit anderen Imkern ist ganz wichtig. Aus Unwissenheit könnte ein unverantwortlicher Umgang mit Bienen resultieren, z.B. sie unkontrolliert schwärmen zu lassen. Ich bin Mitglied im Offenen Bienenclub Berlin-Brandenburg. Hier habe ich eine gute Vernetzung und eine schnelle Kommunikation. Wir tauschen uns über unsere Erfahrungen aus. Natürlich gibt es auch die klassischen Imkervereine, deren Vereinsmitglieder ein großes Wissen haben. Für mich als jungen, arbeitenden Imker sind diese wahrscheinlich aufgrund ihrer Altersstruktur jedoch etwas zu statisch. Weiter ist es notwendig, sich beim Veterinäramt als Tierhalter registrieren zu lassen. Wenn dann eine Seuche wie z.B. die Amerikanische Faulbrut die Bienen der umliegenden Imker befällt, erfolgt automatisch eine Information und Vorkehrungen können getroffen werden
Warum sollte ich eigentlich meinen Honig bei regionalen Imkern kaufen? Im Supermarkt ist er doch viel preiswerter?
Der Supermarkthonig besteht meist aus europäischen und nichteuropäischen Honigen. Es sind bearbeitete Mischungen, die immer gleich schmecken und immer die gleiche Konsistenz haben. Insbesondere ist es wichtig beim lokalen Imker den Honig zu kaufen, weil dessen Bienen (neben den anderen bestäubenden Insekten) die allergrößte Bestäubungsleistung für die Landwirtschaft und die eigenen Pflanzen im Garten erbringen, wie Obstbäume, Erdbeeren, und so weiter. Nur wenn es genügend Imker in unserem Umfeld gibt, werden die Pflanzen auch ertragreich sein.

Vielen Dank Dr. Marko Hünniger, dass sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen hast. Es war ein wirklich spannendes Gespräch und deine Bienen waren allesamt ganz freundlich zu uns. Wir wünschen ihnen eine gute Bienensaison und eine ertragreiche Honigausbeute.
Das Interview führte für das Bündnis für Michendorf Antje Hager-Wesuls, Fotos von Claudia Nowka.

Der Frühling in voller Schönheit

Der Frühling ist in voller Schönheit angekommen. Es blüht und grünt in allen Ecken. In den Obstbäumen summt es, überall sind Bienen unterwegs. Vor ein paar Tagen habe ich in einem Busch in einer versteckten Ecke des Gartens ein tiefes Brummen gehört und viele dicke Hummelköniginnen entdeckt, die in den kleinen Blüten auf Nahrungssuche waren, um ihre erste Brut zu füttern. Wusstet ihr, dass bei den Hummeln die Königin jedes Jahr aufs Neue ihr Volk aufbaut?
Schaut hin und ihr könnt in allen Ecken das Summen und brummen finden. Geht mit euren Kindern in den Garten und nach draußen und schaut und hört euch um.
Die kleinen Brummer sind Nützlinge, die unseren Schutz verdienen und leider auch brauchen.
Wir haben ein paar Vorschläge für euch, wie ihr die viele Zeit, die wir momentan mit unseren Kindern haben, nutzen könnt und Ihnen zeigen könnt, wieviel bunter unsere Welt ist, wenn wir sie mit den kleinen Bestäubern teilen. Erzählt ihnen, woher der Honig auf dem Frühstücksbrot stammt und kauft bei euren lokalen Imkern euren Honig. Mit Hilfe können wir schon ganz früh im Jahr beginnen: Viele Frühblüher sind die erste Nahrung für die Bienen. Und auch für uns sind die ersten Farbtupfer nach dem Winter eine Freude.

Unsere Gemeinde ist stark ländlich geprägt, machen wir uns das zu nutzen. Gestalten wir unsere Gärten bienenfreundlich. Beim nächsten Gang in den Pflanzenhandel einfach mal nachfragen, welche Stauden, Büsche, Heckenpflanzen bienenfreundlich sind, d.h. Blüten haben, deren Nektar und Pollen den bestäubenden Insekten als Nahrung dient. Schauen wir, ob Platz für eine kleine Streublumenwiese ist. Und auch auf dem Balkon kann man ein kleines insektenfreundliches Paradies anlegen. Unsere kleinen Nützlinge werden es euch danken.
Wer Platz hat, kann ein Insektenhotel anlegen, oder eine Hummelhöhle bauen. Im Netz sind viele gute Tipps zu finden. Bitte überlegt bevor ihr fertige Insektenhotels kauft genau, ob diese tatsächlich geeignet sind für unsere kleinen Freunde.
Wenn ihr Tipps und Ratschläge braucht, könnt ihr z.B. auf seinen Seiten des NABU tolle Ideen finden. Übrigens: eine Wiese im Garten mit Gänseblümchen und Klee hat auch ihren Reiz – nicht nur der sattgrüne gepflegte Rasen. In diesem Sinne, gestalten wir unsere Welt bunt.

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